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Besinnung auf eine Herkunft und Kindheit – Rud Witt lässt rote Tücher sprechen
Am 14. November 2025 realisierte die Münchner Künstlerin Rud Witt eine eindrucksvolle, nur unmittelbar sichtbare Kunstaktion im öffentlichen Raum. Gemeinsam mit mehreren Helferinnen ließ sie rote, aneinander verknotete Seidentücher im Wind wehen – ein poetisches und zugleich aufwühlendes Bild, das sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte und dem historischen Datum verbindet.
Die Aktion fällt bewusst auf den Abend des 14. November, jenen Abend im Jahr 1940, an dem ein Luftangriff auf die Stadt Coventry im Herzen von England stattfand. Der Angriff, von den Nationalsozialisten unter dem Namen „Operation Mondscheinsonate“ geführt, ist eng mit dem Berufsalltag von Rud Witts verstorbenem Vater verknüpft. Dieser war damals Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Schleißheim und erstellte an diesem Tag die Wettervorhersage, die für den Angriff militärisch genutzt wurde. Obwohl er selbst keinerlei Einfluss auf politische Entscheidungen hatte, trug er – wie Rud Witt berichtet – sein Leben lang Schuldgefühle. Die Künstlerin, Jahrgang 1939, setzt sich seit Jahren künstlerisch mit den verdrängten Schatten familiärer Vergangenheit auseinander.
Die roten Seidentücher stehen symbolisch für Verlust, Verwundbarkeit, aber ebenso auch für Verbundenheit und Transformation. Das Verknoten, ein zentrales Element der Arbeit, verweist auf die Verstrickungen biografischer und historischer Schuld. Das Wehenlassen durch mehrere Helferinnen soll eine gemeinsame Geste sein – eine Bewegung, die ins Fließen übergeht.
„Ich kann die Geschichte nicht ungeschehen machen. Aber ich kann ihr ein anderes Bild geben – ein atmendes, lebendiges“, sagt Rud Witt über ihre Arbeit. Die Aktion versteht sie betont nicht als politisches Statement, sondern als Einladung an die Öffentlichkeit, Verantwortung, Erinnerung und familiäre Narrative neu zu betrachten.
www.rud-witt.de
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