Aktuelles & Engagement

Historische Räume – historische Kunst neu gesehen
: Otto Heinrich Engel im Dialog mit der Fotografie

Wie können originale friesische Wohnräume Gemälde von vor über 100 Jahren wieder lebendig werden lassen? 

Dieser Frage widmet sich unser aktuelles Projekt, das zwei Gemälde des Malers Otto Heinrich Engel fotografisch nachbildet.

Otto Heinrich Engel (1866–1949) zählt zu den bedeutendsten Malern der friesischen Inselwelt. Im Sommer 1910 arbeitete er in einem Föhrer Atelier. Das dort entstandene Gemälde „Vor dem Spiegel (Käthe Lorenzen)“ zeigt eine junge Friesin, die vor einem Spiegel die letzten Handgriffe an ihrer Tracht vornimmt. Durch die raffinierte Komposition erscheint ihr Gesicht nicht direkt, sondern erst in der Spiegelung – ein Gestaltungsmittel, das den besonderen Reiz des Bildes ausmacht.

Für die fotografische Nachbildung griffen wir diese Bildidee auf. Blickführung, Haltung und Spiegelung orientieren sich am historischen Vorbild und eröffnen zugleich eine neue Perspektive auf das Motiv. Die Fotografie folgt dem historischen Vorbild und setzt zugleich einen eigenen Akzent. Die Frau im Spiegel ist nicht die junge Käthe Lorenzen des Jahres 1910, sondern eine Frau heutiger Zeit mit gelebtem Leben. Dadurch verschiebt sich die Aussage des Bildes: Es erzählt nicht nur vom Anlegen der Tracht, sondern auch von Erinnerung, Erfahrung und dem Wandel der Zeit. Vergangenheit und Gegenwart begegnen sich in einem einzigen Spiegelbild.

Eine besondere Rolle spielen die friesischen Wandfliesen. Sie prägen den historischen Innenraum der Gemälde und sind ein charakteristisches Element friesischer Wohnkultur. Für die Fotografien haben wir bewusst die Stube des Alten Kapitänshauses in Nebel auf Amrum mit ihren original erhaltenen blau-weißen Fliesen gewählt. Sie machen die Verbindung zwischen Original und Fotografie sichtbar. Dass sich eine solche Szenen mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung überhaupt noch authentisch nachstellen lassen, verdankt sich dem Erhalt historischer Friesenhäuser. Durch die Bewahrung historischer Wohnstrukturen und der Fliesen, wie man sie im Alten Kapitänshaus sieht, wird ein unmittelbarer Zugang zur damaligen Lebenswelt ermöglicht. 

So verstehen wir kulturelles Erbe: als etwas, das bewahrt wird, indem es immer wieder neu betrachtet, hinterfragt und kreativ weitergedacht wird. Historische Kunst bleibt lebendig, wenn sie Menschen auch heute noch berührt und zum Dialog einlädt. Nicht nur das Gemälde wurde nachgestellt – sondern die Nachstellung war möglich, weil das kulturelle Erbe in Form historischer Friesenhäuser und ihrer originalen Fliesen bis heute bewahrt wurde. 

Deshalb liegt uns eines am Herzen: Bewahren wir gemeinsam, was unsere Heimat einzigartig macht. Ein historisches Haus ist weit mehr als ein Gebäude – es ist ein Zeugnis unserer Kultur, unserer Geschichte und unserer Identität. Was einmal verloren geht, lässt sich nicht zurückholen.

Otto Heinrich Engel (1866–1949)

Der in Hamburg geborene Maler Otto Heinrich Engel zählt zu den bedeutendsten Künstlern der friesischen Inselwelt. Nach seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf entdeckte er Föhr als künstlerische Heimat und hielt dort über viele Jahre das Leben, die Menschen und die Landschaft Nordfrieslands in eindrucksvollen Gemälden fest. Er schuf unter anderem mehrere Werke mit Amrumer Motiven (wie z.B. das Ölgemälde „Sommertag auf Amrum“ von 1928). Seine Bilder zeichnen sich durch eine einfühlsame Beobachtung des Alltags und eine besondere Verbundenheit mit der friesischen Kultur aus. Heute zählen sie zu den wichtigsten Zeugnissen der Kunstgeschichte Nordfrieslands.

Bildlegende

Otto Heinrich Engel 
Vor dem Spiegel (Käthe Lorenzen), 1910
Öl auf Leinwand
Sammlung Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr 

Otto Heinrich Engel 
Friesische Stube, 1906
Öl auf Holz
Sammlung Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr 

Bilder und Werkdaten: Museum Kunst der Westküste, Alkersum, Föhr

https://mkdw.zetcom.net/de/collection/ (Stand: 21.7.2026)

Fotografische Umstetzung: Liane und Manfred Kurfürst-Stiftung, 2026

Fotografin: Johanna Hympendahl

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https://retten-wir-das-haus-des-gastes.de/

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